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69. Länderspiel: Kurzbericht
von Franz aka Kaiser Beckenbuur Zur
Teamaufstellung: (V = Verteidiger, M/HS = Mittelfeld/Hängender Stürmer,
S= Stürmer) Matchtelegramm: Super
Jungs! Der Gegner verlangte uns alles ab. Verteidigung mit Diego und Juan war
«Sobald wir uns für die Finalrunde qualifiziert haben, fahren wir mit der ganzen Mannschaft in den Jura», sagte Sven Hotz, Ex-Präsident des FC Zürich. - Was um alles in der Welt wollte Herr Hotz im Jura? Möchte er ein Freundschaftsspiel gegen Delsberg austragen? Will er seine Spieler zu Reitstunden anmelden oder ihnen nur beweisen, dass die Welt in Biel nicht aufhört? - Mitnichten. Sven Hotz möchte seinen Leuten zeigen, wieso der Ball in diesem Herbst in den letzten Spielminuten öfter ins gegnerische Tor als ins eigene geflogen ist. Der FCZ-Obmann will seinen Spielern Maradona vorstellen. Nicht den mit der göttlichen Hand und der notorisch verschnupften Nase, sondern den Maradona, der eigentlich schon lange zu Hundefutter verarbeitet sein müsste, vor knapp 8 Jahren auf dem Letzigrund Panik verbreitete und bereits mit vier Jahren in Pension geschickt wurde: Maradona, das tierische FCZ-Maskottchen im jurassischen Exil. Glück hatte der FC Zürich in den letzten zwei Jahrzehnten kaum einmal, Erfolg ebenfalls nicht. - Wenn es sportlich nicht klappen will, kann es an der verfehlten Transferpolitik liegen - oder an der Missgunst der Fussballgötter. Um Letztere gnädig zu stimmen, helfen weder taktische Anweisungen noch technische Kabinettstückchen. Gebraucht wird ein Glücksbringer. Was andere ihr Leben lang vergeblich suchen, kam auf dem Letzigrund angerannt. Direkt aus dem benachbarten Schlachthof - im Februar 1999. Der Muni wollte nicht in Konservendosen abgepackt werden. Er riss sich los und stürmte zum FCZ. Zürcher Fussballer haben ein Herz für Tiere. Sie empfingen den Flüchtling mit offenen Armen. Vizepräsident Hugo Hollenstein aktivierte die Donatoren vom 50er Klub, dem Schlachthof wurden 6000 Franken überwiesen. Der Muni bekam einen Nasenring und den Namen Maradona. Ein
Muni ist keine Geiss Normalerweise muss der FCZ-Präsident auf dem Letzigrund nur um seine Nerven und sein Geld bangen, damals fürchtete er um das Leben seiner Kundschaft. Er erinnert sich an jeden Meter von Maradonas legendärem Dribbling: «Ich kam ahnungslos aus den Katakomben. Da sprang mir Maradona entgegen. Er rannte in Richtung Ersatzbank. Drei Photographen stürzten übereinander. Die Spieler flüchteten hinters Tor. Der Stier drehte auf der Leichtathletik-Bahn ab, warf den Supporter-Präsidenten um und rannte die hintere Treppe hinauf.» Den eigens für den Anlass engagierten professionellen Stierführer hatte Maradona mit einem kraftvollen Antritt stehen gelassen. Dem FCZ verhalf der Zwischenfall zu unerwarteter Publicity: Das Bild von Maradona auf den Letzigrund- Rängen schaffte es bis in die englische Boulevardpresse. In den sechziger und siebziger Jahren hatten die Zuger Brüder Pirmin und Xaver Stierli (als Spieler) das erfolgreichste Kapitel der FCZ-Geschichte mitgeschrieben. Stier Maradona hatte einen ungleich kürzeren Auftritt. Er sah die rote Karte, wurde gesperrt und ins Kloster Fahr versetzt. Dort sägte man ihm die Hörner ab und degradierte ihn zum Ochsen. Rekursmöglichkeit hatte das arme Tier keine. Kein
Klosterschüler Das
Vertrauen in die Menschen kam erst langsam zurück; vom FCZ hatte er vorderhand
die Nase gestrichen voll. Heute ist Maradona sieben Jahre alt, wunschlos glücklich
- aber noch keineswegs handzahm. Ernst Flükiger, «Ochsenbetreuer»
in Le Roselet, attestiert ihm zwar einen «ausgezeichneten Charakter».
Maradona sei ein guter Ochse. Der erfahrene Bauer zeigt aber Respekt. Man müsse
schon aufpassen, sagt er, Ochsen seien keine Kühe. «Sie sind wilder
und aggressiver.» Was
Maradona über den FCZ und seine Zeit auf dem Letzigrund denkt, war während
des Besuchs in seiner Residenz nicht zu erfahren. Das Flair für den Fussballsport
ist ihm aber offensichtlich geblieben. Die Kuh in der Milchwerbung jongliert zwar
eleganter, Maradona besitzt aber das wesentlich grössere Durchsetzungsvermögen,
ausgeprägte Qualitäten im Zweikampfverhalten und eine angeborene Leidenschaft
für den Sport. Den ihm zugeworfenen Ball leckte er genüsslich ab. Nur
den FCZ-Schal wollte er sich nicht umlegen lassen. Aber das kann nachgeholt werden.
Zum Beispiel, wenn die FCZ- Spieler ihren Glücksbringer persönlich kennen
lernen. Als Erster sollte David Pallas ins Gehege. Er ist furchtloser Aussenverteidiger
und hat spanische Wurzeln. - Olé. Azurro-Preis:
*Gegen die Game Stats kann nur innerhalb von 48Std. rekurriert werden. (C) All Rights reserved. S.D.T. 2004 *
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