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La Methode de
Jacques Puisais Von Hannes Weiss Vor etwas mehr als 18 Jahren hatte ich einen guten Freund, der ein leidenschaftlicher Zigarrenraucher war. Der herrliche Duft und das wunderbare Aussehen der Zigarren die er rauchte haben mich immer wieder gereizt, diesen offensichtlichen Genuß auch selbst einmal auszuprobieren. Auf einer gemeinsamen Fahrt zu einem Ski-Wochenende in Sölden haben wir in Kreuzlingen am Emmishofener Zoll Station gemacht, da mein Freund dort Zigarren kaufen wollte. Dort, bei Urs Portmann, heute der Patron, damals noch Angestellter in dem Geschäft des Herrn Siegrist, habe ich dann meine ersten Havannas gekauft. Es waren Gloria Cubana Medaille d'Or No. 4 und Hoyo de Gourmet. Mein Freund Wolfie, damals ein sehr erfolgreicher Unternehmer (leider hat ihn das Glück später verlassen), war ein sehr pragmatischer Mensch. Zum Anzünden seiner Zigarren verwendete er einfache Gasfeuerzeuge. Das manchmal übliche Zeremoniell mit Zederholzspan oder ähnlichem war ihm zu geziert und übertrieben. Zum Glück, muß ich sagen. Ich weiß nicht, ob ich als damals 30-jähriger junger Mann der sein Geld zusammenhalten musste, den Sprung zum Zigarrenrauchen geschafft hätte, wenn ich jedes mal beim Anzünden der Zigarre meiner Umgebung durch Herumfuchteln mit einem Zedernholzfidibus und höchst andächtiger Miene signalisiert hätte: Seht her, hier passiert etwas besonderes, hier raucht jemand eine Zigarre, das ist etwas spezielles ! So habe ich es die letzten 18 Jahre gehalten wie ich es gelernt hatte: Zigarre anschneiden, das Brandende ohne Kontakt mit der Flamme gut und gleichmäßig anheizen, dann die Zigarre in den Mund und hoch über der Flamme ein-, zweimal ziehen. Brennt, fertig ! Vor 3 Monaten habe ich mir das Havannoscope `99 gekauft. Beim Durchlesen stieß ich auf einen kleinen Kasten mit der Überschrift: La Méthode de Jacques Puisais. Darin wurde beschrieben, daß Monsieur J. Puisais, Directeur des französischen Instituts für Geschmack (!!) der Meinung ist, daß beim Anzünden der angeschnittenen Zigarre durch die Hitze der Flamme und die Temperaturdifferenz zwischen Brandende und Kopf der Zigarre durch den Kamineffekt ein Sog entsteht und die beim Anzünden entstehenden Dämpfe zum Teil in die Zigarre hineingezogen werden. Dies würde den Geschmack der Zigarre nachhaltig negativ beeinflussen. Deshalb empfehle er, die Zigarre erst nach dem Anzünden anzuschneiden und beim ersten Zug durch die Zigarre zu blasen, um alle "Unreinheiten" aus ihr zu entfernen. Na ja, habe ich gedacht. Die Franzosen. Immer etwas dekadent. Aber Dekadenz kann ja auch Spaß machen ! Warum also nicht ausprobieren. Manches ist jedoch nicht so leicht getan wie gedacht. Zigarre her und ein normales Feuerzeug. Nach 3 oder 4 Minuten war das Brandende der Zigarre verkokelt, glühen wollte sie gar nicht so recht, obwohl ich auf die Glut blies wie der Mistral persönlich. Also wurde das Jet-Feuerzeug (kein Blazer !) eingesetzt. Das ging schon besser. Aber bis dann der Kopf der Zigarre angeschnitten war, war die Glut fast vollständig erloschen. Also, mal wieder einem Schreiberling aufgesessen, dachte ich. Vergiss es. Mach es weiterhin so wie die letzten 18 Jahre ! Bei der nächsten Zigarre wollte ich es dann aber doch noch einmal wissen. Den Kopf nicht angeschnitten, sondern mit dem Cigarpunch angebohrt. Das Loch mit dem Finger zugehalten. Das Brandende mit dem Jet-Feuerzeug zum Glühen gebracht. Die Glut durch blasen noch etwas intensiviert. Dann die Zigarre in den Mund und als erstes nicht ziehen, sondern durch die Zigarre blasen. Und dann der erste Zug: Eine Offenbarung ! Seither zünde ich meine Zigarren nur noch so an. Der Geschmack und das Aroma ist vom ersten Zug an wunderbar, um vieles besser als mit allen anderen Methoden. Was habe ich die letzten 18 Jahre versäumt ? Warum habe ich nicht früher von diesem dekadenten Franzosen gelernt? Wenn schon die Männer dort soviel wissen, welche Geheimnisse wahren dann die Frauen? | |||