SWISS DREAM TEAM
Zofinger
in Costa-Ricas «Swiss Dream Team»
(Zofinger Tagblatt - Juli 2004)
Anfangs 90er Jahre assistierte
er den damaligen SCZ-Trainer Thomas Leemann. 1994 wanderte er nach Costa Rica
aus und beobachtet seither den Regionalfussball aus der Distanz. 10 Fragen an
den Ex-Zofinger Reto Rechsteiner.
Reto Rechsteiner, beim SC Zofingen
gehörten Sie während fünf Jahren dem Vorstand an und waren Assistenztrainer
der ersten Mannschaft. Welchen fussballerischen Job haben Sie in Costa Rica?
Reto Rechsteiner: Bisher haben sich meine fussballerischen Aktivitäten
auf aktives Mitspielen beim "Swiss-Dream-Team" beschränkt. Das
ist eine Mannschaft, die ausschliesslich aus Schweizern besteht, welche in Costa
Rica leben. Wir spielen einmal in zwei Wochen Freundschaftsspiele, meistens Hallenfussball
auf Kunstrasen. Dies ist in Costa Rica so richtig zum Boom geworden.
Besuchen Sie auch Spiele der Nationalelf?
Rechsteiner: Ja, ich gehe häufig
Spiele in den Stadien der Nationanelf und der LDA schauen. Die LDA ist die "Liga
Deportivo Alajuelense", die zuammen mit "Deportivo Saprissa" Jahr
für Jahr den Meistertitel unter sich ausmachen.
Als Kenner zweier
Fussballkulturen: Welche Unterschiede stellen Sie fest zwischen dem Amateurfussball
in der Schweiz und in Costa Rica?
Rechsteiner: Die Unterschiede sind enorm.
Obwohl das kleine Land fussballbegeistert ist und auch immer wieder international
auf sich aufmerksam macht, man denke an die WM-Teilnahmen der A-Nationalelf 1990
in Italien und 2002 in Japan/Südkorea, existiert praktisch keine Organisation
für untere Ligen. Einen geordneten Fussballbetrieb gibts einzig in der 1.,
2. und 3. Division. Was hingegen sehr beliebt ist, sind Plauschmannschaften, die
sich untereinander für Freundschaftsspiele organisieren, so wie das in der
Schweiz im Firmenfussball bekannt ist.
Wie sieht es aus bezüglich
fussballerischer Infrastruktur?
Rechsteiner: Generell sehr gut. Typisch für
jedes noch so kleine Dorf ist, dass im Zentrum die Kirche und nebenan die "cancha",
der Fussballplatz, stehen. Dazu gibt es unzählige Fussballschulen, die recht
gut organisiert sind und auch gute Trainigsmöglichkeiten bieten.
Kann man sich diese überhaupt leisten?
Rechsteiner: Die besseren Fussballschulen
sind im Vergleich zu den Schweizer Fussballvereinen teurer, vor allem was die
Jahresbeitragsbezahlung der Junioren anbelangt. Zudem ist das von der FIFA finanzierte
Fussballförderungszenter "GOL", das einen Kilometer von unserem
Haus entfernt liegt, zur Zeit im Bau.
Sie sind Vater von zwei Söhnen.
Treten diese in Vaters Fuss(ball)stapfen?
Rechsteiner: Meine beiden Jungs
sind in einer Fussballschule, die ein Abkommen mit dem AC Milan hat und auch finanziell
von den Italienern unterstützt wird. Zweimal pro Jahr kommt der Juniorenobmann
des AC Milan vorbei, und die besten Spieler erhalten Stipendien für Probetrainings
in Italien.
Zurück zu Ihren Wurzeln: Der SC Zofingen wird mittlerweile
die dritte 1.-Liga-Saison in Angriff nehmen. Verfolgen Sie das Geschehen?
Rechsteiner: Ja, mit grossem Interesse. Das Internet macht es einem heutzutage
sehr einfach, den regionalen Fussball hautnah mitzuerleben. Nach Spieltagen informiere
ich mich jeweils per Internet des Zofinger Tagblattes über die Matchberichte.
Auch die Website des SCZ ist bei mir eine viel besuchte Internetseite.
Haben Sie noch Kontakte zum SC Zofingen?
Rechsteiner: Ja, ich werde beispielsweise
von Daniel Kirchhoff und Stefan Plaar (Juniorenobmann bzw. Assistenztrainer der
ersten Mannschaft, Anm. d. Redaktion) über den SCZ auf dem Laufenden gehalten.
Für die kommende Saison wünsche ich dem SCZ natürlich viel Glück.
Dadurch dass im Gegensatz zu vergangenen Jahren die Ligazugehörigkeit relativ
früh definiert war, konnte frühzeitig mit der Planung dieser Saison
begonnen werden. Hoffentlich wirkt sich das positiv aus, damit man einmal eine
1.-Liga-Saison spielen kann, ohne ständig das Abstiegsgespenst im Nacken
zu spüren.
Oftringen hat letzte Saison den Aufstieg in die 2. Liga
geschafft, es kommt zum Derby mit Rothrist. Ihr Tipp aus Übersee?
Rechsteiner:
Obwohl ich jeweils die Matchberichte lese, bin ich über die Details beider
Mannschaften nicht informiert, deshalb enthalte ich mich eines Tippes. Generell
ist es sehr gut für die Region, dass im Wiggertal mehrere Mannschaften in
höheren Ligen Spielen. Ich hoffe, dass dies auch von der Bevölkerung
honoriert wird, indem man die Meisterschaftsspiele im Stadion besucht und so einen
finanziellen Beitrag an die Vereine leistet, die den vielen Junioren mit guter
Arbeit ideale Verhältnisse bieten, die Freizeit sinnvoll zu gestalten.
Möchten Sie noch etwas loswerden?
Rechsteiner: Hansjörg Ryter
und dem gesamten FC Oftringen gratuliere ich zum Aufstieg in die 2. Liga!
Fragen: Beat Bolliger
Zur Person:
Reto Rechsteiner (Zofingen,
40) wanderte Ende 1994 nach Costa Rica aus, wo er im Auftrag von Swisscontact
(Schweiz. Technische Entwicklungshilfe) als technischer Leiter eines thermischen
Solarprogrammes für Zentralamerika arbeitete. Seit 1997 ist Rechsteiner verheiratet,
seine beiden Söhne Andrés und Yannik sind sechs bzw. vier Jahre alt.
Zurzeit ist er als Consultor für erneuerbare Energien tätig. Rechsteiner
war beim SC Zofingen zwei Jahre lang Assistenztrainer von Thomas Leemann und während
fünf Jahren Vorstandsmitglied.
In den Farben des AC Milan: Reto
Rechsteiner und einer seiner beiden Söhne.

Foto: zvg